Social Recruiting - soziale Medien als Erfolgsschlüssel in der Personalsuche

Vanessa Bär
Soziale Medien im Recruiting

Wer besitzt heutzutage keinen Account in irgendeinem sozialen Netzwerk? Eben, kaum einer! Circa 90 % der Nutzer in Deutschland sind laut dem Social Media Atlas 2018/2019 auf sozialen Kanälen unterwegs. Marketingverantwortliche nutzen dieses Potenzial bereits, um ihre Zielgruppen auf Social Media zu erreichen. Nun haben auch Recruiter das sich daraus ergebende Potenzial für die Personalgewinnung erkannt. Wir zeigen Ihnen in unserem Artikel, welche Vorteile soziale Medien für das Recruiting bringen und wie Sie Social Recruiting effizient einsetzen können.

Inhaltselemente

  • Was ist Social Recruiting?
  • Social Recruiting & Active Sourcing
  • Die wichtigsten Vorteile von Social Recruiting
  • Die beliebtesten Social Recruiting Kanäle
  • Diese Kosten können im Social Recruiting anfallen
  • Diese Skills sollte ein Social Recruiter besitzen

Was ist Social Recruiting?

Social Recruiting umfasst alle aktiven und passiven Maßnahmen von Unternehmen, die der Personalgewinnung auf sozialen Medien dienen. Employer Branding ist ein wichtiger Bestandteil des Social Recruitings, denn der Ruf der eigenen Arbeitgebermarke eilt den Unternehmen bei der Personalsuche oftmals voraus und ist Teil der Entscheidungsgrundlage für potenzielle Bewerber. 

Social Recruiting und Active Sourcing

Social Recruiting ist ein Teilbereich von Active Sourcing. Während das Active Sourcing alle Maßnahmen zur Kandidatenansprache und -bindung beinhaltet, konzentriert sich das Social Recruiting (oder E-Recruiting) auf die sozialen Medien. Beide Aspekte sollten Bestandteile einer ganzheitlichen Recruiting Strategie sein. Lesen Sie hier mehr zum Thema Recruiting Strategie.

Soziale Medien sind in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken.

Der Großteil der Kandidaten unterschiedlicher Generationen verbringt seine Freizeit mittlerweile auf sozialen Medien. Dieser digitale Wandel eröffnet im Recruiting völlig neue Wege und Chancen. Wieso also nicht dieses große Potential nutzen, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen?

Laut einer im Jahr 2019 veröffentlichten Studie in der Personalwirtschaft nutzen 92,9 % der B2B Unternehmen in der DACH - Region soziale Medien zur Personalgewinnung. Die genannten Gründe der Unternehmen, die nicht auf Social Recruiting setzen, waren mit 58,5 % zu hoher Zeitaufwand und mit 56,6 % fehlende Ressourcen. Neben der Veröffentlichung des eigenen Unternehmensprofils bieten die sozialen Medien Möglichkeiten zur Schaltung von Stellenanzeigen sowie zur aktiven Ansprache von Kandidaten.

Die wichtigsten Vorteile von Social Recruiting im Überblick

Die Erreichbarkeit der Bewerberzielgruppe auf Social Media macht Social Recruiting so attraktiv für Personalsuchende. Wir haben Ihnen alle Vorteile zusammengefasst:

  • Potenzielle Kandidaten sind im Freizeitmodus, nicht mehr im Büro und daher meist entspannt. Das senkt die Hemmschwelle, in den Dialog mit Recruitern zu treten. Weiter ist hier – je nach Bewerberzielgruppe – eine eher lockere, natürlich dennoch professionelle, Ansprache möglich.

  • Aktiv und passiv suchende Kandidaten: Mit Hilfe von Social Media lassen sich Kandidaten erreichen, die aktiv, aber auch passiv auf Jobsuche sind. Im Gegensatz zu allgemeinen Stellenbörsen, die nur dann besucht werden, wenn Kandidaten aktiv suchen, können Sie auf Social Media auch passiv suchende Bewerber ansprechen.

  • Nutzen Sie Social Media für Ihre Arbeitgebermarke: Likes sind auf sozialen Netzwerken schnell vergeben. Auch Content wird gerne geteilt, wenn er Mehrwert liefert. Das ermöglicht Ihnen als Arbeitgeber nicht nur eine höhere Reichweite – Sie stärken außerdem Ihre Bekanntheit und Ihre Arbeitgebermarke in der Bewerberzielgruppe.

  • Social Recruiting ist kostengünstig: Fast alle beliebten Plattformen bieten kostenfreie Unternehmens Profile an, die den Einstieg in die Social Recruiting Welt ermöglichen und erleichtern.

  • Sorgen Sie für Messbarkeit: Social Media Kanäle helfen Ihnen, Ihre Aktivitäten messbar zu machen. Dadurch können Sie Ihre Performance überwachen und das Verhalten Ihrer Zielgruppen besser verstehen. Sie können zum Beispiel nachvollziehen, ob potenzielle Bewerber Ihre Stellenanzeige erst gar nicht aufrufen, weil womöglich der Jobtitel nicht attraktiv genug ist. Sie können aber auch beobachten, ob Nutzer auf Ihre Website gelangen, und die Bewerbung am Formular scheitert.

  • Zielgruppen-Wissen: Soziale Medien bieten Recruitern eine Fülle an Informationen über potenzielle Bewerber, die sich gezielt für die Suche und Ansprache nutzen lassen.

Die beliebtesten Social Recruiting Kanäle im Überblick

Die Auswahl der richtigen Kanäle für das Social Recruiting fällt vielen Recruitern nicht leicht. Wo lassen sich effizient potenzielle Kandidaten ansprechen? Wo sind die Erfolgschancen am höchsten? Antworten auf diese Fragen gibt das Nutzungsverhalten sowie Bedürfnisse und Wünsche der Bewerberzielgruppe. Nehmen Sie sich daher ausreichend Zeit, um genau diese zu analysieren. Nutzt ein potenzieller Geschäftsführer Facebook oder LinkedIn? Möchte er hier vielleicht persönlich angesprochen werden? Lässt sich der SEA-Spezialist womöglich mit einer kreativen Ad auf Instagram zur Bewerbung überzeugen? Setzen Sie bei Ihrer Zielgruppe auf das Mindset. 

Social Media Recruiting Kanäle
Bild: pexels-cottonbro-studio
  • Xing: Wer ein Profil auf Xing hat und dieses pflegt, muss mit Anfragen seitens Recruitern rechnen. Diese Plattform ist einer der beliebtesten Kanäle für die aktive Ansprache von potenziellen Bewerbern.

  • Facebook: Die Plattform Facebook lässt sich für die aktive Ansprache von Kandidaten nutzen, dient zeitgleich aber auch dem passiven Recruiting. Durch die Veröffentlichung eines Unternehmensprofils und die Schaltung von Anzeigen oder Kampagnen, lässt sich eine hohe Reichweite erzielen und damit die Arbeitgebermarke stärken.

  • LinkedIn: LinkedIn wird sowohl für die aktive Ansprache (analog Xing) als auch für den beruflichen Austausch von den Kandidaten genutzt. Während Xing stärker für Recruiting-Zwecke ausgelegt ist, legt LinkedIn den Fokus auf Networking und die Bereitstellung von zielgruppenspezifischem Content. Die LinkedIn Community setzt mehr auf Inhalte und weniger auf Massennachrichten seitens Recruitern.

  • Instagram: Wer Instagram geschickt einsetzt, kann auch diesen Kanal für die aktive Ansprache von Kandidaten nutzen. Zudem lässt sich Instagram einsetzen, um der Arbeitgebermarke einen persönlichen Touch zu geben. Instagram bietet die Möglichkeit Insights aus dem Büroalltag, lustigen Content und Beiträge zu veröffentlichen. Diese Plattform verleitet viele Unternehmen jedoch dazu, ungefiltert und ohne Strategie zu posten. Um dieses Tool für das Social Recruiting einzusetzen, gilt auch hier: Zielgruppe analysieren und Strategie festlegen.

  • Kununu: Leider wird Kununu häufig in der Außenwirkung unterschätzt. Wir als Personalberater werden seitens Bewerber auch mit negativen Bewertungen unserer Kunden konfrontiert. Natürlich muss hier relativiert werden: ehemalige Mitarbeiter, die ggf. einen Groll auf das Unternehmen hegen, nutzen diesen Kanal gerne, um sich Gehör zu verschaffen. Doch genau diese Beiträge bleiben oftmals im Gedächtnis. Hier unbedingt in den Dialog gehen und die Kommentarfunktion nutzen. Wenn sich negative Bewertungen allerdings häufen, sollte an anderer Stelle genauer hingesehen werden.

Diese Kosten können im Social Recruiting anfallen

Die Kosten für Social Recruiting können stark variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Plattformen, auf denen Sie rekrutieren möchten, der Art der Positionen, die Sie besetzen möchten, und der Reichweite Ihrer Recruiting-Kampagne. Während die Erstellung eines Unternehmensprofils kostenlos ist, sind hier einige Faktoren, die Kosten verursachen könnten:

  1. Plattformen: Die Auswahl der sozialen Plattformen, auf denen Sie rekrutieren möchten, beeinflusst die Kosten. Laut Statista kostet eine geschaltete Werbeanzeige auf LinkedIn beispielsweise etwas weniger als auf Instagram. Gleichen Sie hier die Plattformen unbedingt mit Ihrer Zielgruppe ab um das beste Preis-/Leistungsverhältnis auszuloten.

  2. Anzeigentypen: Je nach Plattform stehen verschiedene Anzeigentypen zur Verfügung, darunter gesponserte Beiträge, Anzeigen, Videoinhalte usw. Jeder Anzeigentyp hat unterschiedliche Kostenstrukturen.

  3. Zielgruppe: Die Größe und Art der Zielgruppe, die Sie ansprechen möchten, kann die Kosten beeinflussen. Eine größere Zielgruppe kann höhere Kosten bedeuten, da mehr Ressourcen für die Reichweite aufgewendet werden müssen.

  4. Geografische Reichweite: Wenn Sie international rekrutieren möchten, können die Kosten aufgrund unterschiedlicher Kosten pro Klick oder Anzeigenschaltung in verschiedenen Ländern variieren.

  5. Wettbewerb: Der Wettbewerb um qualifizierte Kandidaten in Ihrer Branche und Region kann die Kosten erhöhen. In umkämpften Märkten kann es teurer sein, die Aufmerksamkeit potenzieller Kandidaten zu erlangen.

  6. Laufzeit der Kampagne: Die Dauer Ihrer Recruiting-Kampagne kann ebenfalls die Kosten beeinflussen. Eine längere Kampagnendauer bedeutet höhere Gesamtkosten.

  7. Anzeigenbudget: Je nach Plattform müssen Sie ein Anzeigenbudget festlegen. Dieses Budget bestimmt, wie oft Ihre Anzeigen angezeigt werden und wie viele potenzielle Kandidaten Sie erreichen können.

  8. Design und Erstellung von Inhalten: Die Erstellung ansprechender Anzeigen oder Beiträge erfordert möglicherweise die Zusammenarbeit mit Grafikdesignern, Textern oder Videoproduzenten, was zu zusätzlichen Kosten führen kann.

  9. Tracking und Analyse: Um den Erfolg Ihrer Social Recruiting-Kampagne zu messen, benötigen Sie möglicherweise Tools zur Verfolgung von Klicks, Konversionen und anderen Metriken. Diese Tools können ebenfalls Kosten verursachen.

Tipp: Es ist wichtig, ein Budget festzulegen und die verschiedenen Kostenfaktoren sorgfältig zu berücksichtigen, um sicherzustellen, dass Ihre Social Recruiting-Kampagne effektiv ist. Die genauen Kosten können stark variieren, daher empfehlen wir Ihnen, sich im Vorfeld genau zu Informieren oder sogar an Experten im Bereich Social Recruiting oder Marketing zu wenden, um eine genauere Vorstellung von den Kosten für Ihre spezifische Situation zu erhalten.

Diese Skills sollte ein Social Recruiter besitzen

Der digitale Wandel hat erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Bewerbern und somit auch auf das Recruiting und die Personalgewinnung. Diese Veränderungen stellen neue Anforderungen an den Recruiter von heute. Wir haben Ihnen die wichtigsten Skills eines erfolgreichen Recruiters zusammenfasst.

  • Eine hohe Social Media Affinität: ein Recruiter darf keine Angst vor den neuen Medien haben. Im Idealfall nutzt er sie selbst auch privat, um Funktionalität und mögliche Algorithmen zu verstehen. Denn nur wer weiß, wie diese Plattformen funktionieren, kann sie auch im Business Kontext für sich nutzen. 

  • Hohes Zielgruppenverständnis: im Idealfall hat der Recruiter marketingseitig schon Erfahrungen sammeln können. Wer ist meine Zielgruppe, wie tickt diese und wie möchte sie angesprochen werden? Diese Fragen sollte sich der Recruiter von heute stellen und beantworten können.

  • Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit: Jeder Social Media Kanal hat seine Besonderheiten, insbesondere auch aufgrund der generationsbedingten Unterschiede. Die Art der Kommunikation kann sich daher von Kanal zu Kanal unterscheiden. Hier ist Fingerspitzengefühl und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit gefragt. 

  • Empathie: wer Kandidaten im Freizeitmodus ansprechen möchte, sollte dies nicht im Rahmen von Massennachrichten und Standardtexten tun. Sie befinden sich im persönlichen Umfeld des Kandidaten, das erfordert oftmals auch eine persönlichere Kommunikation. Diese gelingt mit einer ordentlichen Portion Empathie.

Fazit

Rekrutieren Sie "social" und persönlich!

„Planlos geht der Plan los“ - ganz nach diesem Motto steigen Unternehmen gerne in die Social Recruiting Welt ein. Ohne Strategie und Ziele lassen sich aber keine konkreten Ergebnisse messen und auch die Auswahl der Kanäle und des Contents können nicht auf die Strategie einzahlen. Die Plattformen sollten also wohldosiert und zielgruppenspezifisch eingesetzt werden. Es ist nicht zielführend, überall vertreten zu sein, aber das Potenzial von Social Media gar nicht ausschöpfen zu können.

Social Recruiting kann als ergänzende Maßnahme der Erfolgsschlüssel in der Personalgewinnung sein. Auch hier bedarf es an Zeit und einem gewissen Invest, um erfolgreich sein zu können. Neben den sozialen Medien, die beim Social Recruiting ganz klar im Vordergrund stehen, impliziert Social Recruiting aber auch das Adjektiv sozial. Das eröffnet bei der Erarbeitung einer Social Recruiting Strategie einen neuen Blickwinkel. Mehr Persönlichkeit, mehr Individualität und weniger Anonymität und Standardverfahren. Unser Tipp: Rekrutieren Sie „social“ und persönlich – Sie haben es schließlich mit Persönlichkeiten zu tun.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

(Bild: gemeinfrei / unsplash / laura chouette)

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