Mitarbeiterempfehlungsprogramme - ein Erfolgsbooster für Unternehmen?

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Mitarbeiterempfehlungsprogramme

„…Die Personalsuche ist extrem herausfordernd geworden. Der Fachkräftemangel tut sein Übriges. Viele unbesetzte Stellen. Die Generation Z ist so fordernd und überhaupt können wir ja gar nicht mithalten bei dem, was die großen Konzerne an Gehältern zahlen…“ Hach – wir könnten stundenlang so weitermachen. Sind wir mal ehrlich, diese Sätze hat doch jeder Recruiter schon mal gehört, oder?

Klar, da ist natürlich auch was dran – wir Recruiter verstehen das absolut und trotzdem können wir an den Umständen aktuell nichts ändern (der Satz ist übrigens geklaut aus „50 Sätze, die das Leben leichter machen“ von Karin Kuschik und für alle, die im Business viel kommunizieren müssen, sehr empfehlenswert.

Heißt also, wir brauchen Lösungen und müssen dem ewigen Kreis des „wir-können-unsere-Stellen-wegen-Fachkräftemangel-nicht besetzen“ endlich entkommen. In der Konsequenz muss die Recruiting- (und auch die Marketingabteilung, denn das geht nur Hand in Hand) erfinderischer werden.

Wieso also nicht da ansetzen, wo schon Potential ist? Die bestehenden Mitarbeiter sind die beste Werbung für das eigene Unternehmen. Idealerweise sind diese natürlich zufrieden. Falls nicht, wäre das nochmal eine andere Baustelle. Das soll aber nicht Thema dieses Blogbeitrages sein, daher gehen wir von grundsätzlich zufriedenen Mitarbeitern aus. 😉

Ein möglicher Hebel für ein erfolgreiches Recruiting sind Mitarbeiterempfehlungsprogramme. Aber was genau versteht man darunter?

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm - Definition
  • Vor- und Nachteile von Mitarbeiterempfehlungen
  • Erfolgsbooster für das Recruiting und Personalmarketing
  • Empfehlungsprämien
  • Success Story EIKONA

Mitarbeiterempfehlungsprogramme – Definition

Unter einem Mitarbeiterempfehlungsprogramm versteht man eine Software, ein Programm oder schlichtweg ein Prozess, der es Arbeitnehmern ermöglicht, dem Arbeitgeber Personen aus dem eigenen Netzwerk zu empfehlen.  Oft heißen diese Programme Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter und sind mit Prämien oder anderen Benefits für den Empfehlenden verbunden. Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten. Der Arbeitgeber freut sich über einen neuen Mitarbeiter, der Recruiter über eine besetzte Stelle, der Empfehlende über eine Prämie und der neue Mitarbeiter über einen neuen Job. Besser geht’s, nicht oder?

 

Vorteile von Mitarbeiterempfehlungen

  • Kostenersparnis: bei einem erfolgreichen Mitarbeiterempfehlungsprogramm sparen sich Arbeitgeber Kosten für einen aufwendigen Recruiting-Prozess, Honorare für Personaldienstleister und Anzeigenkosten für das Schalten von Stellenanzeigen.
  • Kurze Time to hire: die Zeit bis zur Stellenbesetzung sinkt. Mitarbeiterempfehlungen sind oft sehr gute Matches, sodass oft weniger Gespräche geführt werden müssen. Zudem muss die Recruiting-Abteilung nicht den kompletten und oftmals langen Suchprozess starten.
  • Cultural Fit: die eigenen Mitarbeiter sind die authentischsten Unternehmensbotschafter. Sie kennen die Unternehmenswerte, wissen um das Arbeitsklima und die Führungskultur. Das wird auch sehr oft transparent im Bekanntenkreis diskutiert. Heißt, der Empfohlene weiß, worauf er sich einlässt und kann dies mit seinen eigenen Werten abgleichen.
  • Recruiting Reichweite: oftmals werden durch solche Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programme Kandidaten erreicht, die sehr passiv auf Jobsuche sind und vielleicht nicht durch Recruiterspürnasen ausfindig gemacht oder überzeugt werden könnten.
  • Personalmarketing: Mitarbeiterempfehlungsprogramme haben ebenso einen positiven Effekt auf das Personalmarketing bzw. Employer Branding und sorgen für einen guten Ruf des Unternehmens.
  • Steigende Mitarbeiterloyalität: oftmals sorgt der Teamgedanke (Freunde, Verwandte, Bekannte) in einem Team für eine bessere Bindung zum Unternehmen. Laut unserer Umfrage (Link zum Whitepaper) spielt ein guter Teamzusammenhalt eine große Rolle für langfristige Zufriedenheit der Arbeitnehmer.

 

Nachteile von Mitarbeiterempfehlungen

  • Enttäuschte Mitarbeiter: sollten Empfehlungen im Bewerbungsprozess nicht weiterkommen oder Absagen erhalten, kann das zu Enttäuschungen bei den Mitarbeitern führen. Auch sollte man Bedenken, dass ein empfohlener Mitarbeiter vielleicht nicht die Probezeit besteht. Auch das kann zu Unmut im Team führen.
  • Teamzusammenhalt: der Teamzusammenhalt ist gut, solange man ich versteht. Bei Mitarbeiterempfehlungen ist die berufliche und private Trennung oftmals nicht möglich, da sich Teamkollegen eben auch im Privaten kennen/treffen. Das kann im schlimmsten Falle negative Auswirkungen auf das berufliche Miteinander haben.
  • Diversität: wenn Mitarbeiter im Bekannten- oder Freundeskreis werben, sind das oft Personen im gleichen Alter, mit gleichen Hobbies und ähnlichen Werten. Das kann zu einem recht homogenen Team führen. An der Stelle ist dann der Arbeitgeber gefragt, der einer Homogenität entgegensteuern sollte.
  • Falsche Motivation durch Mitarbeiterprämie: schwierig wird es dann, wenn Mitarbeiter nur wegen der Prämie geworben werden. Dann legt der Empfehlende vermutlich wenig Wert auf Cultural Fit. Und auch eine langfristige Mitarbeiterbindung wird vermutlich eher nicht möglich sein.

 

Erfolgsbooster für das Recruiting?

Durch Mitarbeiterempfehlungen können Stellen schneller und passgenauer besetzt werden. Heißt im Umkehrschluss, dass die Chance höher ist, dass Stellen auch langfristig besetzt bleiben. Das hat natürlich einen erheblichen Einfluss auf das Recruiting des Unternehmens. Eine höhere Besetzungsquote, schnellere Prozesse, Kosteneinsparungen und weniger „Feuerlöschen“ aufgrund kurzfristig fluktuationsbedingter, offener Stellen.

Auch hier gibt es allerdings eine Schattenseite, die so mancher gar nicht auf dem Schirm hat. Bei Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programmen kann leider auch schnell das Thema Vetternwirtschaft im Raum stehen. Das wiederum kann für große Frustration bei den eigenen Recruitern sorgen. Wenn diese keine Chance mehr haben, Stellen mit ihren Methoden und ihrer Expertise zu besetzen, weil grundsätzlich die Mitarbeiterempfehlungen bevorzugt eingestellt werden – selbst, wenn diese gar nicht zu 100 % passen (aber ist halt der Bekannte von…), erreicht man als Arbeitgeber das Gegenteil: demotivierte Recruiter. Die Lösung kann hier der Fokus auf ausgewählte Stellen sein. Nehmen Sie beispielsweise, die schwer zu besetzenden oder schon länger offenen Positionen in Ihr Empfehlungsprogramm auf.

Wie so oft gibt es also auch hier unterschiedliche Perspektiven, die berücksichtigt und durchdacht sein sollten. Wenn sich jeder gehört fühlt, ziehen alle an einem Strang und es kann losgehen: Gemeinsam kann der perfekte Prozess / das perfekte Programm fürs eigene Unternehmen erarbeitet werden.

 

Mitarbeiterempfehlungsprogramme – welche Empfehlungsprämien gibt es eigentlich?

Wir haben eine kleine Auswahl zusammengestellt:

  • eine pauschale Einmalzahlung
  • eine Gehaltssteigerung
  • Urlaube, Wellnesstrips
  • zusätzliche Urlaubstage
  • frei verwendbares Firmenbudget
  • die Kostenübernahme von Weiterbildungen

 

Die festgelegte Einmalzahlung wird wohl am häufigsten eingesetzt. Wichtig ist, dass die eigenen Mitarbeiter durch die Prämie motiviert werden. Und das hängt eben ganz stark von der Belegschaft ab. Sie sollten sich daher mit den Bedürfnissen / Wünschen Ihrer Mitarbeiter befassen, um das für Sie perfekte Prämienmodell auswählen zu können. Stark männerdominierte Branchen oder Berufe werden sich eher weniger an einem Wellnesstrip erfreuen können (wir hatten in der Vergangenheit ähnliche Prämien und sprechen aus Erfahrung). Bieten Sie daher Möglichkeiten, die alle Bereiche und Zielgruppen in Ihrem Unternehmen ansprechen. Die Kostenübernahme bei Weiterbildungen sollte grundsätzlich Teil des Benefit Programms sein und könnte als Prämie ggf. sogar eher für Unmut sorgen.

 

Success Story – wie geht’s richtig?

Klar, es gibt entsprechende Software, die insbesondere auch größere Konzerne in Einsatz haben. Was, wenn ich als mittelständisches Unternehmen aber nicht diesen Invest tätigen, trotzdem aber ein solches Programm in meiner Recruiting-Strategie etablieren möchte? Die unkomplizierte und kostengünstige Variante heißt: setze einen Prozess auf, bespreche ihn mit den relevanten Abteilungen (Personal, Recruiting, Datenschutz, Management etc.) und sorge dafür, dass die Mitarbeiter diesen Prozess bzw. dieses Programm kennen.

Einer unserer Kunden hat das genauso umgesetzt und zwar sehr erfolgreich. Ausgewählte, sehr schwer zu besetzende Stellen (wie bspw. Positionen in der Softwareentwicklung) wurden ins Programm aufgenommen. Empfehlungen landen in der Recruitingabteilung, die diese entsprechend mit der Fachabteilung abstimmt. Die Recruitingabteilung dokumentiert zentral alle Informationen und natürlich auch den Namen des Empfehlenden. Bei bestandener Probezeit gibt es eine pauschale Einmalzahlung an den Empfehlenden, die ganz oft sogar zwischen dem Empfehlenden und Empfohlenen geteilt wird.

Die Marketingabteilung hat sich für dieses Programm eine Offline Kampagne überlegt, die an relevanten Orten platziert ist. So kann’s auch keiner vergessen oder übersehen.

Die Personalabteilung stellt das Mitarbeiter–werben-Mitarbeiter Programm im Onboarding vor, sodass auch jeder neugewonnene Mitarbeiter darüber Bescheid weiß.

Auch hier ist der Schlüssel: transparente Kommunikation. 😊

Fazit

Mitarbeiterempfehlungsprogramme können ein echter Erfolg für Unternehmen sein und der Recruiting-Abteilung die Arbeit erleichtern, wenn sie durchdacht sind. Die sozialen Medien spielen uns hierbei in die Karten – das unkomplizierte Posten und Teilen offener Stellen, kann ein echter Booster für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting sein. Probieren geht über Studieren – also liebe Recruiter, schnappt euch eure Fachabteilungen (oder umgekehrt 😉) und seid kreativ! Übrigens, softgarden hat eine Studie veröffentlicht, in der Bewerber ihre Erfahrungen zum Thema Mitarbeiterempfehlungen teilen. Hier geht’s zur Zusammenfassung.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

(Bild: gemeinfrei / PEXELS / Alexander Suhorucov)

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